Routinedatenbasierte Analyse von Langzeitkosten, Versorgungspfaden und Outcomes nach Delir in Deutschland
Das Delir ist ein akutes, fluktuierendes neurokognitives Syndrom, das ältere, hospitalisierte Patienten überproportional häufig betrifft und mit erhöhter Mortalität, Pflegebedürftigkeit und Demenzrisiko assoziiert ist. Bisherige gesundheitsökonomische Analysen aus Deutschland beschränken sich auf stationäre Akutkosten; modellbasierte Schätzungen zu gesellschaftlichen Langzeitkosten basieren auf selektiven Stichproben und methodisch limitierten Annahmen.
Mit Gründung des Forschungsdatenzentrums (FDZ) Gesundheit und der Aggregation von GKV- und Pflegeroutinedaten von rund 74 Millionen Deutschen kann diese Forschungslücke erstmals auf Basis repräsentativer Realdaten geschlossen werden. PARD nutzt dieses Datenpotenzial, um postakute Versorgungsrealität und Langzeitkosten nach stationärem Delir zu quantifizieren.
Unterscheiden sich die postakuten, sektorenübergreifenden Gesundheits- und Pflegekosten von Personen nach stationärem Delir von denen einer parallelisierten Kontrollgruppe ohne Delir?
Zeigen Personen nach stationärem Delir höhere Raten für Mortalität, Demenz und Institutionalisierung innerhalb eines Jahres im Vergleich zu einer parallelisierten Kontrollgruppe?
Wie gestalten sich die poststationären Versorgungspfade nach stationärem Delir in der Realversorgung – und inwiefern weichen diese von bestehenden Leitlinienempfehlungen ab?
PARD baut auf einem wachsenden internationalen Evidenzkörper auf. Die folgende Auswahl zentraler Publikationen zeigt eine Übersicht relevanter und verwandter Forschung, auf die PARD aufbaut.
Bisher umfangreichste Synthese zu postakuten klinischen Outcomes nach Krankenhausdelir (253 Studien, ~30.000 Delir-Patient:innen). Erhöhte Raten für Mortalität (OR 2,55), Institutionalisierung (OR 2,80) und Demenz (OR 5,37). Grundlage der PARD-Kennzahlen.
Prospektive Prävalenzstudie in deutschen Krankenhäusern: bis zu 32 % der hospitalisierten Personen über 65 Jahren sind betroffen. Liefert die epidemiologische Grundlage für die PARD-Studienpopulation.
Erste systematische Quantifizierung der 1-Jahres-Gesamtkosten nach Krankenhausdelir über alle Versorgungssektoren (stationär, ambulant, Pflegeheim). Patientenbezogene Mehrkosten von bis zu 64.000 USD. Vergleichbare Routinedatenanalyse für Deutschland fehlt bislang.
Bislang einzige deutsche Kostenanalyse zum hyperaktiven Delir – beschränkt auf stationäre Akutkosten. Postakute und sektorenübergreifende Kosten wurden nicht erfasst. PARD schließt diese Lücke.
Modellbasierte Schätzung gesellschaftlicher Langzeitkosten nach postoperativer kognitiver Dysfunktion – methodisch limitiert durch modellierte Annahmen und selektive Stichprobe. Unterstreicht den Bedarf an Realdaten-basierten Analysen wie PARD.
Überblick über die finanziellen und sozialen Folgekosten des Delirs für Gesundheitssystem, Patient:innen und pflegende Angehörige. Schätzt, dass Delir bis zu 10 % aller Demenzfälle verursacht – mit entsprechenden Langzeitkosten für die Pflege.
Bislang größte Meta-Analyse zu Delir und Mortalität (71 Studien). Ältere Inpatient:innen mit Delir hatten deutlich erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit (OR 3,18). Trotz 30 Jahren Forschungsfortschritt hat sich die delirbedingte Krankenhausmortalität nicht verändert – ein starkes Argument für Versorgungsverbesserung.
Dokumentationsraten in Entlassungsbriefen: 0,1–64 %, ICD-Kodierungsraten in Abrechnungssystemen: nur 1,5–49 %. Direkt relevant für PARD: belegt das Ausmaß des Undercodings, das in den Sensitivitätsanalysen adressiert wird.
ICD-10-Kodierung erfasste nur 6,3 % der Fälle vs. 25,7 % per Chartanalyse (Sensitivität 24 %). Liefert die empirische Grundlage für PARD's Sensitivitätsanalysen und belegt die methodische Herausforderung routinedatenbasierter Delirforschung.
Prospektive Studie bei Hüftfrakturpatient:innen (n=207): Delir war der stärkste unabhängige Prädiktor für Institutionalisierung nach 6 Monaten (AOR 5,50). Hochrelevant für PARD's Subgruppenanalyse zur hüftgelenknahen Femurfraktur.
Datenbasis: FDZ Gesundheit · Datenmodell 3 und 4 · Pseudonymisierte Routinedaten aller gesetzlich Versicherten in Deutschland · Integration von Pflege- und Heilmitteldaten ab DM4 (erwartet Q2 2026)
Verfügbare Projektdokumente können hier heruntergeladen werden. Weitere Materialien werden im Projektverlauf ergänzt.